Premiere für Doku-Film

Es gibt Filme, die verlangen ihren Machern einiges ab. Fast zwei Jahre habe ich den Verein Gemeinsam mit Behinderten mit meiner Kameras begleitet, immer unterstützt von dem Team von InZwischenzeit. Entstanden ist ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm, der im Kino in Rodgau vor ausverkauftem Haus seine Premiere feierte.

Filmpremiere im Kino

Es gibt Filme, die machen mich wahnsinnig. Für mich sind das sind die Filme, die mir nicht egal sind. Die Filme, bei deren Premiere ich wie erstarrt im Kino sitze, den Blick stur geradeaus auf die Leinwand gerichtet. Ich lausche ins Publikum, interpretiere das Wispern und das Gemurmel, versuche die Reaktionen der Zuschauer zu deuten. Und wenn Sie dann an den richtigen Stellen lachen, dann ist meine Erleichterung unendlich groß.

Ein Dokumentarfilm über Behindertenarbeit

Im Sommer 2016 bat mich Christian Goldmann einen Film über die Behinderten Arbeit des GmB (Gemeinsam mit Behinderten e.V.) zu machen. Zuvor hatte ich mit Behinderten nicht viel zu tun gehabt. Inklusion, das gab es nicht als ich zur Schule ging, an der Uni auch nicht.

Der erste Drehtag war im Hochsommer. Im Garten hinter dem Vereinshaus war Spielgruppen-Zeit. Die Sonne knallte vom Himmel und die Kameras wurden so heiß, dass man sie kaum anfassen wollte. Mit dabei drei Betreuer und fünf Kinder im Grundschulalter, allesamt geistig und körperlich behindert. Teilweise schwer. Das zu filmen ist nicht leicht. Die Kamera ist wie eine Lupe, sie fokussiert, macht Unsichtbares sichtbar, vergrößert die Details auf Überlebensgröße. Es kostete mich viel Überwindung meine Kamera auf diese Kinder zu richten und nicht wegzuschauen.

Fast zwei Jahre habe ich gedreht und geschnitten. Dabei hatte ich ganz viel Unterstützung von meinem Team (InZwischenZeit:Filme). Wir sind zusammen baden gegangen, im wahrsten Sinne des Wortes: Im Schwimmbad in Heusenstamm haben wir mit einer Unterwasserkamera gedreht. Wir sind abgehoben mit unserer Kameradrohne Willi und haben durchgedreht. Bei der großen Spendenaktion des Vereins, dem 24-Stunden Lauf, waren wir natürlich auch dabei und haben die Nacht zum Tag gemacht.

Keine gewöhnlichen Drehs. Und bestimmt kein gewöhnliches Projekt. Im Laufe der Zeit ist mir der Verein und die Menschen, die da hinter stehen, sehr ans Herz gewachsen. Das machte es aber schwierig, die für den Schnitt nötige kritische Distanz einzunehmen und zu wahren. Expertenfalle heißt das.

Schnitt und nochmals Schnitt

Und ich bin verzweifelt. Am Anfang hatte ich ein tolles Konzept, doch dann entwickelte sich auf den Drehs plötzlich eine Eigendynamik. Es tauchten überall spannende neue Aspekte für den Film auf. Das gedrehte Material wuchs und wuchs. Wir transkribierten Stunden von Interviews. Wir machten Probeschnitte. Aber es passte nicht. Mein Konzept war für die Tonne.
Bei solchen Projekten muss man begreifen, was wirklich passiert und das dann filmen, völlig egal, was das Konzept eigentlich vorgesehen hatte. Geplant waren 10 -12 Minuten Imagefilm, entstanden ist eine gut 30 Minuten lange Dokumentation. So ist ein ganz anderer Film geworden, als geplant und das ist gut so. Es ist der Film geworden, der es sein sollte.

Mehr Infos zum Film gibt es auch in diesem Artikel der Offenbach-Post.

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